Die magische Kugel in falschen Händen
Auf einmal wurde ich in das Blatt hineingezogen. Ich strampelte und schrie, aber es brachte nichts. Ich fiel tief herab, mich um mich selbst drehend. Dann war alles vorbei, ich lag auf einem Teppich mit seltsamen Mustern. Zwei Kinder, ein Junge und ein Mädchen, etwa so alt wie ich, kamen auf mich zu. Erschrocken wich ich vor ihnen zurück.
„Hab keine Angst, Florina“, sagte das Mädchen. „Wwwer seid ihr, wwwoher wisst ihr meinen Namen und wwwo bin ich hier?“, stotterte ich. „Ich bin Sila und das ist Solu“, sagte das Mädchen freundlich, „komm mit in die Equlauo.“ „Wie bitte?“, fragte ich, sicher, dass ich mich verhört hatte. „Oh, natürlich, bei euch heißt das Esszimmer“. Sie führte mich in einen kleinen Raum. „Also, du bist hier in Salanum, der einzigen Stadt Falarasias, die der Schwarze Magier nicht erobert hat.“ „Wer ist der Schwarze Magier?“, fragte ich neugierig. „Nun, es fing alles vor 10 Jahren an. Damals regierte noch der weise und gerechte König Hulono. Der Schwarze Magier wollte an die Macht, deshalb suchte er nach Anhängern. Die fand er und wurde immer mächtiger. Er bekam immer mehr Dämonenhelfer. Schließlich ermordete er den König und eroberte mit seinen Dämonen ganz Falarasia, bis auf Salanum. Gestern fanden wir ein altes Pergament unter einem lockeren Brett auf dem Fußboden. Warte mal kurz“, Sila stöberte in einer Truhe, bis sie fand, was sie suchte: es war ein kleines Kästchen. Sie öffnete es und zog ein kleines Stück Pergament daraus hervor. Laut las sie:
Der Schwarze Magier wird die Herrschaft über Falarasia an
sich reißen.
Nur 3 Kinder können ihn zerstören,
wenn die magische Kugel tut ihnen gehören.
Aber nur einem wird die Kugel gehorchen.
Die einen 2 werden Zwillinge sein und dem Stamm der
Zauberpfeil- und Bogenschießer angehören.
Das dritte Kind wird nicht aus dieser Welt sein.
Sie wird kommen aus dem „Reich - in dem es all das - was wir
kennen - nicht gibt“, kommen.
Ihre Namen sind Sila, Solu und Florina.
Sila war fertig mit Lesen und schaute mich an: „Wirst du uns helfen?“, fragte sie dann. „Natürlich“, sagte ich, „bloß, wisst ihr, wo die Kugel ist?“
„Es gibt eine Sage, in der berichtet wird, dass die Kugel im Inneren eines Labyrinths ist. Das Labyrinth soll sich der Sage nach in einer Pyramide befinden, die auf einer Wolke steht“, antwortete Sulo. „Die Wolke soll über der Grenze zwischen Falarasia und deiner Welt schweben“, fügte Sila hinzu. „Aber wenn die Wolke in der Luft ist, wie sollen wir dann hinkommen?“ „Das ist leicht“, meinte Sulo. Er pfiff laut. Da öffnete sich die Decke und eine Katze, so groß wie ein Elefant, flog herein. Auf ihr saß eine Fee mit wunderschönem, langem blonden Haar.
„Das ist Salarina, unsere Freundin“, sagte Sila und zeigte auf die Fee. „Und das ist Kaselaia, unser Haustier“, meinte Solu. Schnell stiegen wir auf und Kaselaia flog hinauf zu den Wolken. Wir flogen viele Tage. Salarina war, wie es sich herausstellte, sehr lustig.
Nach 12 Tagen schrie Solu plötzlich laut auf. „Hinter uns“, rief er. Wir drehten uns um. Wir wurden verfolgt von Drachen. Schnell zogen Solu und Sila ihre Bogen raus, die sie eingepackt hatten, und schossen auf die Drachen. Einer wurde von zwei Pfeilen gleichzeitig getroffen. Er löste sich in Luft auf. Doch es waren immer noch 19 Drachen übrig. Einer der Drachen verletzte Kaselaia mit seinem mit Dornen besetzten Schwanz.
Doch was war da? Eine riesige Gießkanne tauchte aus dem Nichts aus und begoss die Drachen mit Wasser. Sofort wurden die Drachen zu Stein. Ich drehte mich um und erkannte, dass die Fee Salarina die Gießkanne herbei beschworen hatte, weil sie, als Salarina schnipste, verschwand. Dann blies sie einmal kräftig auf Kaselaias Wunde und die verschwand ebenfalls. „Ooooh, vielen Dank“, schnurrte Kaselaia.
Da schrie ich plötzlich laut auf, denn ich hatte sie entdeckt, die Pyramide. Ich zeigte mit dem Finger darauf. „Jetzt sehe ich sie auch“, maunzte Kaselaia erfreut. Sie flog sofort darauf zu und landete auf der Wolke. Wir untersuchten die Pyramide genau und fanden eine Stelle, die aussah, als wäre hier ein Tor. Eine riesige Eule aus Walangoa („Das ist das wertvollste Material in Falarasia“, erklärte mir Sila) war in die Wand gemeißelt.
Auf einmal öffnete sie ihren Schnabel und sprach:
„Wenn ihr mein Rätsel löst, dürft ihr herein,
sagt ihr nichts, müsst ihr gehen,
antwortet ihr falsch, werdet ihr zu Stein.
Mein Rätsel lautet:
WENN IHR ETWAS VERLIERT, WO IST ES?“
„Keine Ahnung“, meinte Solu, „es kann überall sein.“ „Richtig“, sagte die Eule. „Wie“, sagte Solu verdattert, „ist das die Lösung?“ „Ja“, antwortete die Eule und verschwand.
Hinter ihr befand sich ein Tunnel, etwa 1,80 m hoch und einen Meter breit. „Tut mir leid“, sagte Kaselaia, „ich kann nicht mit. Ihr müsst alleine gehen.“ „Schade“, sagte Salarina, „aber ich komme mit.“ Langsam schritten wir auf den Tunnel zu und gingen hinein. Sobald wir drin waren, tauchte die Eule wieder hinter uns auf. Vor uns lag ein fackelbeleuchteter Gang. Vorsichtig liefen wir den Gang entlang.
Dann kamen wir in etwas, das wie eine Kammer aussah. Aus ihr gingen 100 verschiedene Gänge hinaus! „Oh nein, wie sollen wir bloß zu der Kugel kommen?“, fragte Sila entsetzt. „Keine Sorge“, meinte Salarina. Sie riss sich eines ihrer Haare aus und schmiss es in die Luft. Die Haarspitze deutete auf den größten Gang. Wir liefen ihn entlang. Es gab keine Kreuzungen mehr. Dann kamen wir an eine Tür – sollten wir sie öffnen? Vorsichtig öffnete Solu die Tür. Dahinter war ein riesiger Saal. Am Ende des Saals war die Rückseite eines Thrones zu sehen. Wir liefen auf ihn zu.
Da plötzlich drehte sich der Thron um und auf ihm saß – der Schwarze Magier! Ich erkannte sein Gesicht aus dem Zug wieder. „Gut gemacht, Salarina!“, röchelte er. „Was?“, schrie Sila, „du hast uns zu ihm gebracht?“ „Ja“, sagte Salarina zufrieden, „das mit dem Drachenangriff war auch nur, dass ihr mir richtig vertraut!“ „Ich habe Florina in unsere Welt gelockt, und Salarina hat euch in eine Falle gelockt. Die Kugel gehört bereits mir“, säuselte der Schwarze Magier. „Erbarmen!“, schrieen Sila und Solu, fielen vor dem Schwarzen Magier auf die Knie und krabbelten auf ihn zu. Der lächelte amüsiert, doch dann, wie auf ein Kommando, zogen die zwei fest am Umhang des Magiers. Dieser stürzte und wollte einen Fluch abschießen, doch ich riss ihm seinen Stab aus der Hand. Salarina stürzte auf mich zu, doch auf einmal zerbrach die Decke und Kaselaia erschien. Sie packte Salarina und warf sie in das Feuer, das hinter dem Thron züngelte, und die Fee verbrannte.
Indessen hatte Sila die Kugel dem Schwarzen Magier entrissen und mir zugeworfen. Der Schwarze Magier schüttelte Sila und Solu ab und rannte auf mich zu. Solu stürzte sich wieder auf ihn. Ich rannte mit der Kugel auf ein kleines Becken zu, denn ich hatte plötzlich das Gefühl, dass ich sie dort hineinwerfen müsse.
Doch der Magier hatte sich von Solu befreit, nahm seinen Stab, den ich hatte liegen lassen, weil er zu schwer war, zielte auf mich und schoss einen Fluch auf mich ab. Ich konnte ihm gerade noch ausweichen und warf die Kugel in das Becken.
Ein riesiger, wunderschöner Regenbogen brach aus der Kugel hervor und traf den Schwarzen Magier mitten ins Herz. Er schrie noch einmal laut, dann war er zerstört. Nur noch ein Häufchen Asche war von ihm übrig geblieben.
Das Pergament lag zerknüllt in meinen Händen und so konnte ich Solu und Sila in Falarasia besuchen, sooft ich wollte.